Konzertkritik der Esslinger Zeitung  zu „Musicals Come Alive“ am 14.05.2017 (Kritik vom 16.05.2017, mit freundlicher Genehmigung)

ESSLINGEN: Der Esslinger Chor Singebration und die A-Capella-Formation SixPäk präsentieren in der WLB das Programm „Musicals Come Alive“

Von Petra Weber-Obrock

Glitzerwelt und Glanzleistung

„Singebration“ ist ein Neologismus, zusammengesetzt aus den Wörtern „Sing“ und „Celebration.“ Diesem Motto machte der Esslinger Chor gleichen Namens am Samstag auf der großen Bühne der WLB alle Ehre und feierte unter der Leitung seines Dirigenten John Outland mit seinem neuen Programm „Musicals Come Alive“ einen großen Erfolg. Der Streifzug durch die Welt des Musicals bot dabei nicht nur einen Ohrenschmaus aus mehr oder weniger bekannten Melodien mit Suchtpotential, sondern ließ die Begeisterung der Sänger direkt aufs Publikum überfließen. Durchdachte Choreographien und wechselnde Kostüme verstärkten den Effekt der „Good vibrations“ noch, der sich vom swingenden Chor auf das Publikum übertrug. „Eigentlich schade, dass es hier bestuhlt ist“, kommentierte der Sitznachbar der Rezensentin diese in Herz und Beine gehende Wirkung. Der ansteckende Enthusiasmus war dabei komplett dem Chorleiter und ausgebildeten Sänger John Outland geschuldet, der in der Welt des Musicals zu Hause zu sein scheint. Wie die Personifikation reiner Lebensfreude sprang er zu Beginn des Konzerts mit Pferdeschwanz und Turnschuhen auf die Bühne und beantwortete die Frage der Moderatorin, ob er sich schon freue, mit einem durchdringenden „Aber wie!“ John Outland hatte das Programm des Konzerts mit Geschick zusammengestellt. „Ein Teil stammt aus Musicals, die ihr kennt, ein anderer aus Musicals, die ihr kennenlernen werdet“, kündigte er an. Hut ab vor der Professionalität der Sängerinnen und Sänger, die gut 2,5 Stunden ohne Notenblätter auskamen und mehrstimmige, von Pop- und Jazzharmonien bestimmte Sätze stimmlich und rhythmisch auf den Punkt brachten. Keine Frage, dass John Outland alle Stimmen, Einsätze und Solisten dabei im Blick und im Griff hatte. Ein Kontrast aus den versprochenen bekannten und unbekannten Melodien bot gleich der Anfang. Der Chor setzte „Everybody Rejoice“ aus dem Musical „The Wiz“ vor das bewegende „Circle of Life“ aus „Der König der Löwen“ und vermittelte dabei einen Anflug von amerikanischer Erweckungsbegeisterung. „Jeder von uns hat einen Stellenwert. Alle sind abhängig voneinander. Das ist eine schöne Message“, fügte John Outland erklärend hinzu. Unterstützt wurde der Chor während seines gesamten Auftritts durch die vielversprechende neue Esslinger A-Capella-Formation „SixPäk“, die gleich zu Beginn mit Schmelz in den Stimmen und augenzwinkernd gepflegtem Image als Schwiegermuttertraum die bekannten Songs „The longest time“ und „I got rhythm“ interpretierte.

Den Höhepunkt des ersten Teils meisterte wieder grandios der Chor mit seinem Medley aus Leonard Bernsteins „West Side Story.“ Blitzschnell hatten die Sängerinnen und Sänger ihre Kleider gegen Pettycoats, Jeans und Bomberjacken getauscht, die den Zeitgeist der Fünfziger Jahre in den USA spiegelten und einen perfekten Hintergrund für Songs wie „Tonight“, „I feel pretty“ und „America“ bildeten. Unter den vielen sehr guten Solistinnen und Solisten stach Joachim Fütterling mit seiner bittersüßen Liebeserklärung an „Maria“ hervor. „Seid ihr verstärkt, weiter zu machen?“, fragte John Outland nach der Pause und konnte auf ebenso begeisterte Zuhörer wie Sänger zählen. Für die Ausschnitte aus dem Musical „42. Street“ hatte sich der Chor neu in Schale geworfen und trat voller Spaß an der szenischen Darstellung als staunende Touristengruppe in New York auf. John Outland selbst konnte beim Song „Sit down, You’re rocking the boat“ aus dem Musical „Guys and dolls“ seine solistischen und komödiantischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, bevor sich der Chor nach Ausschnitten aus „Godspell“ zum großen Finale ein Medley aus dem Musical „Les Misérables“ vorgenommen hatte. Verschwunden war die Glitzerwelt des Broadways. Jetzt ging es um den Kampf der Bitterarmen um Gerechtigkeit, der sich in den Songs ebenso wie in der Aufmachung der Sänger manifestierte. Sowohl die Solisten als auch der Chor lieferten hier eine Glanzleistung ab. Nach so viel Ernst waren die Zugaben aus „Footloose“ und der „Rocky Horror Picture Show“ wieder ganz der leichten Muse verpflichtet. „Habt Spaß“, gab John Outland seinen Zuhörern als Tipp zum Zuhören noch mit auf den Weg. Sie nahmen es sich zu Herzen und bedachten die großartige Leistung mit begeistertem Applaus.